Tag 19 und 20 - 5. und 6.3.2026
Der letzte volle Tag auf See schloss mit einem untypischen Sonnenuntergang. Die Sonne versteckte sich so hinter den Wolken, dass sie nicht mehr zu sehen war. Dafür beleuchtete sie Zirren, die wir bis dahin auch noch nicht in dieser Form gesehen hatten.
Der Eindruck, den dieses Bild bei mir machte, war der eines Vorhanges nach Schluss der Aufführung. Irgendwie passte das ja auch. Wir waren ganz nahe am Ziel und es gab sicher keinen weiteren Sonnenuntergang mehr auf offener See.
Ich hatte in dieser Nacht die Wache von 03:00 bis 06:00 Uhr. Als ich Ralf ablöste, konnte ich die Insel Hiva Oa schemenhaft wahrnehmen. Ralf der auf die Instrumente und sein Buch sah, hatte sie noch nicht wahrgenommen und stieg auch von der Brücke um am Vorsegel vorbeisehen zu können.
Beim Fotografieren der Szenerie machte mein Handy mit seiner Restlichtverstärkung ein Bild, das sich uns so noch nicht bot. Bei uns war es viel dunkler, auf dem Foto sah es aber weit besser aus.
Bis zum Sonnenaufgang kurz nach sechs Uhr machte die Dämmerung die Insel aber immer mehr sichtbar. Wir genossen diese Verwandlung der Insel vom Schemenhaften in eine konkrete Gestalt. Konturen und Strukturen zeichneten sich immer klarer ab und das Grün der Insel vertrieb die zuvor vorherrschende Farbe grau.
Die Sonne selbst gab sich tiefrot bei ihrem Ansichtwerden, wurde aber immer heller und beleuchtete die vor uns liegende Insel. Hoch aufragend mit Wolkebanner um ihre Bergspitzen präsentierte sie sich uns.
In der Bucht von Atuona lagen bereits viele Schiffe vor Anker. Wir fanden noch einen guten Platz am Ende der Bucht, wo wir auf Grund unseres geringen Tiefgangs noch hinfahren konnten.
Der Anker fällt um 07.25 Ortszeit. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Crewitglieder an Deck. Glückwünsche, fröhliche Ausgelassenheit, Fotozeit. Wir haben es geschafft. 19 Tage und 18 Stunden dauerte die Überfahrt von den Galapagosinseln zu den Marquesas. Eine schöne Zeit, eine gute Zeit. Gottes Segen war spürbar, sowohl was das Wetter, das Miteinander als auch das Segeln betraf.
Vor uns liegen jetzt zwei Wochen, in denen wir uns fünf der Marquesasinseln anschauen wollen. Der erste Eindruck, den Hiva Oa auf uns macht, lädt jedenfalls zum Staunen ein. Vielleicht kein Wunder nach solanger Zeit auf hoher See.
Ich habe vor, euch auch in diesen zwei Wochen an unseren Erlebnissen teilhaben zu lassen. Schauen wir einmal, was sich ausgeht.
Danke für alle Rückmeldungen, die wir von euch erhalten haben. Es war wirklich schön von euch begleitet zu werden.
Reinhard, für die gesamte Crew!